Follow Back
Nachdem ich den Livestream eines Fremden entdeckt hatte, lebte ich einen Monat lang unter seinem Balkon. Während er mich beobachtete, beobachtete ich ihn ebenfalls, bis aus dem Beobachten Verlangen, Entblößung und eine unerwartete Begegnung wurde. Die Video-Performance verwebt meine physischen und digitalen Interaktionen mit einem Fremden und verwischt dabei die Grenzen zwischen öffentlich und privat, virtuell und physisch, sichtbar und unsichtbar. Durch die Kombination von Livestream-Aufnahmen, persönlichen Straßenaufnahmen, Spuren in sozialen Medien und einer Voice-over-Erzählung reflektiert Follow Back über Intimität, Überwachung, Einsamkeit und queeres Verlangen im öffentlichen Raum. (Rom Sheratzky).
Die Technologie des 21. Jahrhunderts ermöglicht und beschleunigt eine zeitlose Facette von „amour fou“ in Rom Sheratzkys entwaffnend direktem Debüt, das mit nonchalanter, lebhafter Gelassenheit an der durchlässigen Grenze zwischen dokumentarischer und fiktionaler Form entlangtanzt. Es ist ein „Desktop-Film“ von schlichter Originalität, der uns eher als Mitverschwörer:innen denn als bloße Zuschauer:innen positioniert.
Sheratzky erzählt auf fesselnde Weise von der emotionalen Achterbahnfahrt, die er im heißen, glühenden Sommer 2024 erlebte, nachdem er für sein Masterstudium nach Frankfurt gezogen war. Deutschlands Finanzzentrum, die unpersönlichste aller großen EU-Städte, bietet eine grüne, aber ansonsten auf komische Weise unpassende Kulisse für Sheratzkys schnell aufkeimende Besessenheit.
Das ahnungslose Ziel seiner Faszination: der geheimnisvolle Kamerabesitzer, auf dessen Balkon montierte Live-Stream-Webcam der einsame Sheratzky zufällig stößt, während er sich an seine neue Umgebung gewöhnt. Diese einseitige Liebesaffäre nimmt exponentiell unerwartete Wendungen, als der liebeskranke Filmemacher mit immer fantasievolleren Mitteln nach „IRL“-Kontakt sucht...
Die genaue Natur der Entsprechung zwischen der Realität des Films und der tatsächlichen „Realität“ bleibt jedoch neckisch undurchsichtig. Ist das Ganze ein ausgeklügeltes Konstrukt, ein unverhüllt autobiografischer Ansatz oder eine nicht klassifizierbare, eigenwillige Kombination aus beidem?
Die Einbindung der Zuschauer:innen in diese heiklen Themen wird durch Sheratzkys unwiderstehlichen, gesprächigen Humor untermauert, der – in Verbindung mit seinem köstlichen Einsatz romantischer Pop-Klassiker vergangener Zeiten – eine im Grunde melancholische Geschichte über Online-Anomie und unheimlich hartnäckiges Stalking in eine bewegende Miniatur von angenehm bissiger Süße verwandelt. (Neil Young)
Follow Back
2025
Österreich, Deutschland
23 min