Morne Fortune

Morne Fortune erkundet die Verflechtungen von Kolonialismus, Geschichte, Archiv und Monument und entwickelt daraus neue Formen, Objekte und Praktiken des Gedenkens. In ihrer vielschichtigen Collage verdichten Mara Chavez und doris duhennois multiple Stimmen und Modalitäten des Erinnerns. Darin wird die Notwendigkeit deutlich, vielfältige Perspektiven einzubeziehen, um die reduzierende Erzählung und Logik kolonialer Geschichte zu verkomplizieren und aufzubrechen. Digitale Medien, Zelluloidfilm und 3D-Modellierung verweisen auf unterschiedliche Wissensschichten und darauf, wie Wissen jeweils gespeichert und dargestellt wird. Dabei legen die Regisseur*innen offen, wie schwierig die Arbeit mit europäischen kolonialen Archiven ist: Sie sind zwar oftmals die einzigen erhaltenen offiziellen Aufzeichnungen, bleiben jedoch häufig unvollständig und schweigen mitunter ganz bewusst.

Chavez und duhennois befragen daher nicht nur das Sichtbare, sondern stellen, viel wichtiger noch, Fragen danach, was in der konstruierten Geschichte fehlt oder ausgelassen bleibt. Sie untersuchen, wie der Fokus auf die vielen Auseinandersetzungen zwischen französischen und englischen Kolonialmächten um die Kontrolle der karibischen Insel Iyanola, heute bekannt als Saint Lucia, die Rebellion und den Widerstand der lokalen Schwarzen Bevölkerung ausblendet und damit aus der Geschichte tilgt – einer Bevölkerung, deren Widerstandskämpfer*innen in die wiedereingeführte Sklaverei gezwungen, oder mit Exil bestraft wurden.

Den Schauplatz der letzten großen Schlacht zwischen den Kolonialmächten zum Ausgangspunkt zu nehmen, ermöglicht es den Regisseur*innen, diesen Ort - oder Raum selbst - als lebendiges Archiv und Monument für die dort stattgefundenen Ereignisse zu begreifen. Diese wichtige Setzung deutet zugleich auf die unausweichliche Heimsuchung der Gegenwart durch die Vergangenheit. Die Gestaltung des Gedenkens geht von wenigen Eliten auf die vielen Bewohner*innen über. Sie verleihen dem Gebiet bzw. Land Symbolik und Bedeutung. (Nadine Valcin)

Übersetzung: M, M & M

Orig. Titel
Morne Fortune
Jahr
2026
Länder
Österreich, Großbritannien, Saint Lucia, Martinique
Länge
13 min
Kategorie
Dokumentarfilm, Experimental
Orig. Sprache
Englisch
Untertitel
Englisch, Französisch
Credits
Regie
doris duhennois, Mara Chavez
Drehbuch
doris duhennois, Mara Chavez
Kamera
doris duhennois, Mara Chavez
Montage
Mara Chavez
Tonmischung
Alexander Siegl, Bassano Bonelli Bassano
Produzent*in
Mara Chavez, doris duhennois
Mit Unterstützung von
Paul Mellon Centre, Stadt Wien, BMWKMS – Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, Superrr Lab
Sound Composition
Bassano Bonelli Bassano
Colorgrading
Xuan Zhou
3D Animation
Gökçe Göbüt
Verfügbare Formate
DCP (Distributionskopie)
Bildformat
4:3
Tonformat
5.1 surround
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe