Hidden Layers
Der Katzensprung, der von der dokumentarischen Fotografie in die wilderen Gefilde der digitalen Abstraktion führt, birgt Risiken und Nebenwirkungen: In der Schichtung und Entwirklichung der Bilder öffnen sich Assoziationsräume, die wie Portale in verborgene Welten führen. Hidden Layers ist ein Fotofilm (ein photo-roman wie Chris Markers epochaler Dystopie-Loop La jetée), in dem eine doppelte Reise absolviert wird: ein Trip entlang der US-Westküste – und ein Staffellauf durch die jüngere Geschichte der USA.
Ein Musikstück, das denselben Namen wie dieser Film trägt, hat Billy Roisz 2018 veröffentlicht. Es taucht im – aus field recordings, Ambient-Noise-Kompositionen und sarkastisch gesetzten Songs – dicht gewobenen Soundtrack nicht auf, aber es könnte, seinem Titel entsprechend, ein paar Schichten tiefer lauern: unterhalb der Wolken vielleicht, auf die man gleich eingangs aus einem grauen Flugzeugfenster blickt. Die Musikerin Liz Allbee beginnt einen Text zu sprechen, den Dieter Kovačič verfasst hat: die Erzählung von der Verwandlung des blühenden Vinland in ein essigsaures Vinegarland, in dem Freiheit, Liebe und Antiautoritarismus in das Inferno von Realitätsverlust und Paranoia mündeten. Hidden Layers ist ein Abgesang auf das, was war.
Landschaften und Suburbia-Siedlungen, Städte, Zeichen und Alltagsobjekte: Die schwarzgrauweißen Bilder blenden ineinander, auf halbem Weg stagnierend, in den Zwielichtzonen zwischen den Häusern, Highways und Meeresansichten unter dem Big Sky der United States. Die Konturen verschmelzen zu unentzifferbaren Zeichen, zu grafischen Strukturen, filigran wie Graphitzeichnungen, elementar wie Höhlenmalereien. Geisterhafte Figuren begegnen einem in dieser pynchonesken Fabel, die, jenseits der Zeit, Ansichten einer untergehenden Zivilisation entwirft, die unserer Gegenwart – one battle after another – bedrückend ähnelt. Am Ende ist nur dem Zweifel noch zu vertrauen. (Stefan Grissemann)
Hidden Layers
2026
Österreich
26 min